Küstenschutz ist existentiell und muss verstärkt werden

Die Kreisverbände der Grünen Friesland, Wilhelmshaven und Wittmund plädieren in ihrem Regionalverbund Küsten-Grün für mehr Schutz der Küsten und Deiche

Die Deutsche Nordseeküste erstreckt sich über gut 1.500 km – alleine ca. 1.000 km befinden sich auf niedersächsischem Boden. Für die direkten Anwohner*innen der Küstenlandkreise ist eine Frage immer besonders wichtig: Wie sicher sind unsere Deiche? Schließlich gibt es viele Belege darüber, dass die Sturmfluten mehr und heftiger werden und die Wellenhöhe steigt. So wie es in Jahr 2020 durch die heftigen Stürme Sabine und Viktoria schon mehrfach zu beklagen gab.

„Die ostfriesischen Inseln sind die Bollwerke für das Festland, doch mussten gerade Wangerooge und Langeoog dieses Frühjahr schon extrem leiden. Mehr als 80.000 Kubikmeter Sand fehlen auf Wangerooge, der Badestrand ist fast komplett verschwunden.“, weiß Kreissprecherin Sina Beckmann zu berichten. Es ist touristisch eine Katastrophe, aber natürlich vielmehr eine landschaftliche. Der Strand und die Dünen schützen die Inseln vor der gewaltigen Wucht der Nordsee, sie schützen auch die natürlichen Süßwasser-Vorkommen.

Dr. Arendt Hindriksen, Kreissprecher der Grünen Wittmund warnt: „Besonders bedrohlich ist die Lage auf Langeoog. Dort ist aktuell die Süßwasserlinse gefährdet – die einzige Süßwasserquelle der gesamten Insel. Es gibt keine Verbindung zum Festland; wenn die Süßwasserlinse mit Meerwasser geflutet wird, hat Langeoog kein Trinkwasser mehr.“ Fehlen Strand und Dünen, oder werden sie immer wieder weggespült durch häufigere und heftigere Sturmfluten und durch höhere Wasserstände, wird das lebensbedrohlich für die Insulaner. Nur alleine auf Wangerooge werden die Kosten durch das Sturm-Tief Sabine auf über 400.000 € geschätzt. So ist das mittlere Tidehochwasser nach Angaben des NLWKN vor Norderney in den letzten 100 Jahren um 26 Zentimeter gestiegen mit direkten Auswirkungen auf Dünen und Deiche. Ganz aktuell kommt erschwerend die Prognose hinzu, dass der Meeresspiegel in diesem Jahrhundert evtl. sogar bis zu 1,10 Meter ansteigen wird.

Es wird deutlich mehr finanzielle Hilfe vom Bund benötigt, als die regulären 61 Millionen € aus dem Land Niedersachsen, denn der Küstenschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Land, die sich in einem Verhältnis von 70% Bund und 30% Land die Kosten teilen. Vor Ort weiß die Politik, dass mittlerweile ein Investitionsstau in Höhe von 2 Milliarden € besteht. Ulf Berner, Kreissprecher der Grünen Wilhelmshaven hat ein Image-Problem ausgemacht: „Leider haben die meisten Bundesländer die Klimaanpassungen an der Küste nicht vor Augen, da sie keine Küste haben. Und auch in Niedersachsen ist Küstenschutz nicht auf der Tagesordnung, weil es zum Beispiel im Osnabrücker Land, in der Region Hannover oder auch im Wendland keine Rolle spielt. Es braucht dringend mehr Geld und mehr Aufmerksamkeit beim Thema Deich- und Küstenschutz.“

Als Erste*r diesen Beitrag teilen.

Schreibe einen Kommentar

5 + 1 =