Das Positive muss überwiegen

Grüne Jever luden ein zum Gespräch über Demokratie, Toleranz und Bürgerdialog

Zu ihrem monatlichen Themenabend hatten die Grünen Jever dieses Mal für den November ganz besondere Gäste. Über 20 Bürger*innen hörten gespannt dem Vortrag von Hartmut Peters, Leiter des Jeveraner Gröschlerhauses, zu, als er zum Thema „Was wir aus 1933 hätten lernen müssen und wo es heute wieder Parallelen zur NS-Zeit gibt“ referierte.

Hartmut Peters
Hartmut Peters, Leiter des Gröschlerhauses | Foto: Stadt-Media

Dabei erfuhren die Zuhörer*innen, dass Friesland damals leider nicht viel Gegenwehr ansetzte und sehr schnell zu den Nazi-Hochburgen im Nordwesten gehörte. Peters zeigte auf, dass die heutigen Zeiten denen von vor 1938 insofern ähneln, als dass es auch damals internationale Unruhe gab. So stieg Deutschland beispielsweise 1933 aus dem Völkerbund aus. Ähnliche Rechtsrucke sehen wir heute ganz global. Auch der amerikanische Präsident hinterfragt die Staatengemeinschaft, steigt aus dem Klimaschutzabkommen und aus dem Atomabkommen mit dem Iran aus. Die Welt war damals wie heute in unruhigen Zeiten, die Bevölkerung sehnte sich nach einfachen Lösungen. Die konnten die Parteien DNVP als Vorläufer der NSDAP und heute die AfD liefern. Es kam und kommt wieder zu Verrohung der Sprache, die freie Presse wurde und wird angezweifelt, diskriminierende Aussagen und Hetze wurde und wird salonfähig. Peters stellte ganz klar heraus, dass zu viel Negatives, sowohl in der Presse als auch in den sozialen Netzwerken, berichtet wird – das Positive muss jedoch deutlich überwiegen. Es fällt immer wieder der Begriff Rassismus, der jedoch nicht richtig sein kann. Es gibt keine unterschiedlichen menschlichen Rassen, so wie es damals die NSDAP und auch heute noch Teile der AfD Glauben machen wollen, und somit ist auch das Wort „rassistisch“ falsch. Man muss von der Diskriminierung verschiedener Bevölkerungsgruppen sprechen, von Anti-Demokrat anstatt Rassist. Wir sollten die Übeltäter bei den richtigen Namen nennen. Antisemitismus, die Diskriminierung von Menschen jüdischen Glaubens, ist heute leider wieder auf dem Vormarsch.

GRÜN gedenken den ermordeten Juden
GRÜNE gedenken den ermordeten Juden | Foto: Stadt-Media

Der Attentäter von Halle, der im Oktober 2019 zwei Menschen muslimischen Glaubens tötete, wollte eigentlich die Mitglieder einer jüdischen Gemeinde in einer Synagoge erschießen. Allein die schwere Holztür rettete den Menschen ihr Leben. Um den Opfern und ihren Familien von rechter, diskriminierende Gewalt zu gedenken, versammelten sich die Teilnehmer des GRÜNdonnerstags spontan am Mahnmal und hielten eine Schweigeminute.

Ulf Berner
Ulf Berner, Aktivist und Politiker | Foto: Stadt-Media

Nachdem Hartmut Peters anschaulich vom Damals ins Heute referierte, übernahm Ulf Berner, Vorstandssprecher der Grünen Wilhelmshaven, das Wort. Er zeigte an diesem Abend auf, wie sich jede*r in diese Debatte einbringen und etwas gegen die Rechte Hetze, gegen Diskriminierung und Gewalt tun kann. Er hat die Petition „Den Faschisten Björn Höcke aus dem Beamtenverhältnis entfernen“ auf der Plattform www.weact.de ins Leben gerufen. Nach eigenen Worten konnte Ulf Berner, nachdem gerichtlich bestätigt wurde, dass Björn Höcke als faschistisch bezeichnet werden darf, nicht mehr ertragen, dass dieser sich nach wie vor im Beamtenverhältnis befindet und immer wieder in den Schuldienst zurück kehren könnte.

So verfasste er seine Petition, die mittlerweile über 148.000 Unterschriften zu verzeichnen hat. Momentan versucht Ulf Berner diese Petition an das hessische Kultusministerium zu übergeben, damit das Beamtenverhältnis dort aufgehoben werden kann. Leider stößt er dabei auf erheblichen Widerstand. Dankbar angenommen hat die Petition hingegen der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hans-Joachim Grote (CDU) im Oktober in Berlin und Ulf Berner ausdrücklich für seinen Mut gedankt. Auch ansonsten ist der Wilhelmshavener beim Kampf gegen rechte Gewalt und Diskriminierung aller Art sehr stark engagiert. So ist er zum Beispiel im „Netzwerk gegen Rechts“, dass sich regelmäßig in Wilhelmshaven trifft, aktiv und wird jetzt gemeinsam mit weiteren Aktiven eine neue regionale Arbeitsgruppe (RAG) Demokratie gründen, die sich verstärkt damit auseinander setzt, wie das Positive in unserer Gesellschaft wieder überwiegen kann. Viele Anwesende trugen sich sogleich in die ausliegenden Listen ein, um sich selber zu engagieren.

GRUENdonnerstag
GRÜNdonnerstag zum Thema ‚Rechts*‘ im Graftenhaus, Jever | Foto: Stadt-Media

Insgesamt war der Abend ein voller Erfolg, sagt auch Frieslands Grünen-Vorstandssprecherin Sina Beckmann. Alle Teilnehmer*innen haben den Vorträgen gespannt zugehört und sagen da zu einer bunten, vielfältigen Gesellschaft. Der GRÜNdonnerstag, ein Themenabend der Grünen in Jever, wird auch in 2020 regelmäßig angeboten, dann aber abwechselnd mit einem Stammtisch-Format, bei welchem die Bürger*innen sich über viele Themen miteinander aber auch mit den hiesigen Politiker*innen austauschen können. Weitere Informationen zum GRÜNdonnerstag aber auch zur Gründung der neuen RAG Demokratie finden Interessierte auf der Homepage der Grünen Jever (www.gruene-fri.de)

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