Wasserstandmeldung – Wie geht es unserem Wasser

Diskussion zur Wasserqualität in Friesland

Zu diesem Thema hatte der Kreisverband Friesland von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN ins jeversche Rathaus eingeladen. Martina Esser, Fraktionssprecherin der GRÜNEN Kreistagsfraktion, begrüßte gemeinsam mit Sina Beckmann, Kreissprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Friesland, die Gäste im vollen Anton-Günther –Saal. Über so viel Resonanz in der Bevölkerung zu einem so facettenreichen und emotionalen Thema freute sich auch der Jeveraner Bürgermeister Jan-Edo Albers und lobte das hochkarätig besetzte Podium, welches zu den Wahrnehmungen der Menschen die Fakten liefere, um eine sachliche Diskussion zu führen.

Landrat Sven Ambrosy

Die Vorstellungsrunde eröffnete der friesische Landrat und Verbandsvorsteher vom OOWV Sven Ambrosy, dem der Schutz unserer Gewässer und unseres Grundwassers besonders am Herzen liegt:

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, weswegen wir als Landkreis in unserem Raumordnungsprogramm den Gewässer- und Moorschutz aktiv erhöht haben. Wasser ist unsere wichtigste Vorsorge und gehört deshalb immer in die öffentliche Hand und darf nie privatisiert werden.“

 

Karsten Specht

Karsten Specht, Geschäftsführer des Oldenburgisch – Ostfriesischen Wasserverbandes OOWV wies nachdrücklich darauf hin, dass der OOWV ein Solidarverband der angeschlossen Kommunen sei und auch bleiben müsse. Nur so könne eine zuverlässige, flächendeckende Wasserversorgung gesichert werden, grade in Zeiten, in denen durch den Klimawandel Wetterereignisse stark lokalisiert sind und nur so Gebiete mit zu wenig Niederschlag oder ohne eigenes Grundwasser zu einem fairen Preis mit Trinkwasser versorgt werden können.

Egon Harms

Egon Harms, Leiter des Bereichs Grundwassergewinnung und Ressourcenschutz, ebenfalls OOWV ergänzte, dass es unserem Grundwasser in Friesland momentan gut ginge, dass das Nitrat und die Pestizide die wir heute ins Oberflächenwasser einbringen allerdings 60 Jahre und mehr brauchen, bis sie im Grundwasser ankommen. Folgegenerationen werden also dafür zahlen, wenn wir nicht heute gegensteuern. Während der Trend bei z.B. Nitrat eigentlich rückläufig war, steigt er seit einigen Jahren wieder.
Aus dem Publikum wurde angemerkt, dass dies mit den steigenden Pachtpreisen in Friesland korrelieren würde, da Betriebe aus anderen Landkreisen hier Land pachten würden, um ihre dort überproduzierte Gülle u.ä. auf diesen Böden ausbringen zu können.

Hans-Joachim Janssen

Hans-Joachim Janssen, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Niedersachsen, fasste den Blick weiter:
Während es dem Trinkwasser in Friesland erfreulich gut geht, ist dies für Niedersachsen nicht der Fall, viele Regionen haben stark belastetes Grundwasser.“ Er beklagte das Versagen der Bundesregierung, die europäischen Mindestandforderungen zu erreichen. Nach vier Jahren und einer drohenden Klage vor dem Europäischen Gerichtshof hatte die GroKo eine völlig unzureichende Verordnung verabschiedet, die die Vorgaben ebenfalls nicht erreichte. Als Konsequenz muss der deutsche Staat seit dem 25. Juli Strafzahlungen von ca. 800.000 Euro täglich an Europa leisten.
Ein weiteres großes Problem sah Janssen in dem Nährstoffimport aus u.a. Südamerika. Dieser ginge in die hiesige Landwirtschaft ein, der dabei entstehende Dünger werde aber nicht nach Südamerika zurückgebracht, wodurch die Böden dort verödeten und wir hier nicht wüssten, wohin mit dem Dünger. „Eine Lösung dieses Problems wären geschlossenere Kreisläufe in denen sich die Betriebsgröße nach der vorhandenen Landfläche richtet“, so Janssen.

Hartmut Seetzen

Hartmut Seetzen, der 1. Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland, gab zu bedenken, dass richtiges Düngen, bei allem guten Willen der Landwirte, nicht einfach sei und durch Hitze und andere Starkwetterereignisse der Dünger oft nicht da landen würde wo er hin solle.

Reno Furmanek

Reno Furmanek, Leiter der Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Oldenburg gab eine sehr informative Einführung in die diversen Düngevorgaben und Maßnahmen zum Schutz des Wassers, bemängelte allerdings, dass grade die Düngevorgaben oft sehr undurchsichtig seien.

Diskussion zur Wasserqualität in FRI

Jochen Meier, Leiter des Fachbereiches Umwelt des Landkreis Friesland (Untere Wasserbehörde), machte deutlich, dass es um das Oberflächenwasser in Friesland nicht gut bestellt ist:
Nur 3% der künstlichen Gewässer sind in einem guten Zustand. Alle natürlichen Gewässer verfehlen die Ziele deutlich. Dadurch erhöht sich natürlich auch der Nährstoffeintrag in die Nordsee.“
Wichtig war ihm aber auch zu betonen, dass es natürlich auch in Friesland einige „schwarze Schafe“ gäbe, die tatsächliche Zahl an zu ahndenden Verstößen sei, auch grade im Vergleich mit anderen Landkeisen, aber gering.

Zum Abschluss merkte Landrat Ambrosy an: „Wenn wir uns nicht jetzt um unser Wasser, die Wasserschutzgebiete und die Biodiversität kümmern, ist die Generationengerechtigkeit hin.“ Und Janssen bekräftigte: „Die Politik muss endlich Rahmenbedingungen schaffen, damit unsere Bauern gut von Nachhaltigkeit leben können.“

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