Energietalk mit Schortenser Bürgermeisterkandidat*innen

Am 19.02.2019 hatte die Erneuerbare Energien Nord gUG (EENo) zum Energietalk ins Bürgerhaus Schortens eingeladen. In der Talkrunde wurden die Bürgermeisterkandidaten der Stadt Schortens befragt zu den Themen Erneuerbare Energien (EE) und wie sie sich die energetische Zukunft der Stadt Schortens mit dem Klimaziel der CO2 Neutralität im Jahr 2050 vorstellen.

Foto: F. Zielke
Bürgermeisterkandidaten Schortens mit Moderator*innen | Foto: F. Zielke

Der Einladung gefolgt waren Gerhard Böhling, amtierender und wieder antretender Bürgermeister der Stadt Schortens, Andreas Bruns – Kandidat für die CDU, Olaf Rottmann – parteilos und unser GRÜNER Kandidat Wolfgang Ottens.

 

 

Durch die Veranstaltung führte Jörg Wächter (EENo), die Moderation übernahmen Sina Beckmann (Wattrix Labor GmbH) und Gustav Zielke (EENo).

Gerhard Böhling | Foto: Ingbert Grimpe

Gerhard Böhling verwies auf die Anfänge bei der CO2 Einsparung, die die Stadt bereits gemacht hat: die Beleuchtung wurde auf LEDs umgestellt, Photovoltaikanlagen (PVA) liegen auf einigen öffentlichen Gebäuden, die Energiezentrale am AquaFit, die energetische Sanierung einiger öffentlicher Gebäude, ein E – Auto wurde für den Bauhof angeschafft.
Böhling bedauerte, dass der Betreiber der Tankstelle im neuen Gewerbegebiet sich aus Rentabilitätsgründen bisher gegen den Betrieb einer Wasserstofftankstelle entschieden hat, eine Erweiterungsfläche ist aber vorhanden.
Für die Zukunft möchte Gerhard Böhling eine möglichst energieautarke Siedlung auf dem Gemeindeland am Klosterweg realisieren. Das Ziel die Verwaltung bis 2030 CO2 neutral zu haben möchte er durch die weitere energetische Sanierung der städtischen Gebäude und eine Erhöhung der PVA auf eigenen Gebäuden erreichen.
Fördern möchte Böhling eigentlich alle Bereiche der EE, nur gegen Biogasanlagen – wie sie momentan betrieben werden (Vernichtung von Lebensmitteln) – spricht er sich klar aus.
Auf die Frage was er selber mache um Energie zu sparen antwortete Böhling: „Im Haus sparen wir wo es geht. Wir verzichten bewußt auf ein zweites Auto und ich fahre fast immer mit dem Rad in Schortens.“

Andreas Bruns | Foto: Ingbert Grimpe

Andreas Bruns, Bürgermeisterkandidat der CDU, setzt bei der Energiewende auf die Digitalisierung u.a. in Form von Smartmetern („intelligente Stromzähler“) die helfen Energie dann zu verbrauchen, wenn sie grade massenhaft vorhanden ist und nicht aus Speichern abgerufen werden muss. Dies würde auch bei der Realisierung von Autarken Siedlungen helfen.
Wind- und Solarenergie sind laut Bruns die für Schortens wichtigsten Träger erneuerbarer Energien.
CO2 sparen möchte er durch die Verlagerung des Verkehrs auf den ÖPNV und das Fahrrad, beides könnte deutlich attraktiver gestaltet sein, im ÖPNV geht dies natürlich nur im Verbund mit dem Landkreis und den anderen Kommunen, das Schortenser Radwegenetz soll deutlich ausgebaut werden.
Carsharing nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land sieht Andreas Bruns als gute Möglichkeit um die Mobilität zu erhöhen und gleichzeitig Ressourcen zu schonen.
Auf die Frage was er selber mache um Energie zu sparen antwortete Bruns: „In unseren Lampen brennen LEDs, wir haben sehr energieeffiziente Geräte angeschafft und sind bei Enera angemeldet für das Smartmeter – Projekt.“

Wolfgang Ottens | Foto: Ingbert Grimpe

Wolfgang Ottens, unser GRÜNER Bürgermeisterkandidat, möchte ein sozialverträgliches Repowering der alten Windkraftanlagen (WKA) im Stadtgebiet, aus sieben alten WKAs wird eine Neue, bei vergleichbarem Energiegewinn. Die Anzahl an PVAs auf öffentlichen Dächern muss erhöht werden um die Klimaziele erreichen zu können. Als Bügermeister möchte er in der Verwaltung eine Beratungsstelle für den Bereich Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien einrichten, um den Bürger*innen der Stadt Schortens mit Rat zur Seite zu stehen, wenn es z.B. um energetische Sanierung, PVAs oder private Energiespeicher geht.
Ottens liegt das Thema autarkes Wohnen besonders am Herzen, da dies schnell umsetzbar ist und die Energiewende voran bringt. Er möchte in den neuen Baugebieten der Stadt Schortens Energiezentralen, in der Hand der Stadt, bauen, die dann die Anwohner nachhaltig und günstig mit Strom und Wärme versorgen. Wasserstoff aus EE hält Ottens für eine gute Möglichkeit um die Energiewende zu beschleunigen, denn es lässt sich problemlos speichern.
Ottens ist gegen die Flächenversiegelung und für mehr Bäume in Schortens. Versiegelte Flächen auch „Gärten des Grauens“ genannt erhöhen die Temperatur in der Stadt, da sie Wärme speichern und sich weiter aufheizen, auch hat das Regenwasser bei Starkwetterereignissen keine Möglichkeit zu versickern. Bäume in Innenstädten senken die Temperatur und verbessern die Luftqualität.
Auf die Frage was er selber macht um CO2 zu sparen antwortet er: „ Bei uns im Haus brennen LEDs, geheizt werden die Räume nur bei Bedarf und wir haben die Raumtemperatur etwas niedriger eingestellt.“

 

Olaf Rottmann | Foto: Ingbert Grimpe

Olaf Rottmann, parteiloser Bürgermeisterkandidat, ist es wichtig, dass die Energiewende zügig voran schreitet: „Hier und jetzt und schnell“. Energetische Sanierung ist ihm wichtig, da die eingesparte Energie gar nicht erst erzeugt werden muss. In Blockheizkraftwerken (BHKWs) sieht Rottmann den Vorteil, auch für Häuser und Wohngebiete, dass sie nicht nur Strom sondern auch Wärme erzeugen. Um die Energieautarkie bis 2050 zu erreichen, möchte er Altbauten sanieren dadurch Energie einsparen, diese dann selber erzeugen und speichern zum Überbrücken energiearmer Zeiten. Damit das alles klappt ist eine Digitalisierung des Energiesektors erforderlich, so Rottmann.
Rottmann sieht in Wasserstoff einen guten Energieträger und Speicher um eine schnelle „Jetzt – Lösung“ beim Verbrennungsmotor zu haben, es sei aber bei weitem nicht die einzige Speichermöglichkeit.
Die Energiepreise für Kohle- und Atomstrom seien schön gerechnet. Die Kosten für den Abbau von AKWs und die Endlagerung des Atommülls fließen nicht in die Energiekostenberechnung mit ein und lassen den Strom aus Kohle und Atom günstig aussehen, so Olaf Rottmann.
Auf die Frage aus dem Publikum, wie man denn den Umstieg auf energieeffizientere Geräte bezahlen soll, antwortete Rottmann mit einem Beispiel aus seiner Firma. „Wir mussten dafür einen Kredit aufnehmen, mit den Einsparungen konnten wir schon fast den Kredit abbezahlen und nach ca. 5 Jahren hatte sich die Anschaffung amortisiert. Wir sparen seitdem Geld durch den niedrigeren Energiebedarf und haben seit der Umstellung ca. 80.000kg CO2 gespart.“

Der nächste Energietalk der EENo findet am 26.03.2019 um 19.00 Uhr in der Accumer Mühlenscheune statt. Gäste des Abends werden Landrat Sven Ambrosy, Dr. Dr.-Ing. M. Buhlert vom Umweltmisterium Niedersachsen und Hr. Voraus von der Firma Enercon sein.

 

Als Erste*r diesen Beitrag teilen.

Schreibe einen Kommentar

66 + = 72